lecture trois

Veröffentlicht in literatur, pop mit Tags , , , , am 15. Oktober 2009 von marronnier

tom robbins, villa incognito

coming soon … meanwhile listen to this loco track …

lecture deux

Veröffentlicht in leben, literatur mit Tags am 24. September 2009 von marronnier

… das nachhaltige gewicht jener dinge , die verzaubert sind, weil man immer wieder geschichten darüber gehört hat. HUSTVEDT, was ich liebte (2003) — das sind sätze …

warmer blick

Veröffentlicht in leben, literatur mit Tags , , , am 24. September 2009 von marronnier

was war denn dran, an dieser erwartung – war es erwartung, zufall oder schlicht erotische neugier? –, mit der marronnier an diesem trüben morgen aus dem fenster eines düsseldorfer hotels einen blick quer durch den noch vom nächtlichen grau gelähmt wirkenden hinterhof warf? mitten in die wohnung dieser drei frauen , die sich gerade erwartungsfroh auf einen neuen tag vorbereiteten und deren eine ihre üppigen formen gerade von einem weißen, lasch über die schulter, gehängten bademantel befreite.

die wärme der milde erleuchteten wohnstube umwölkte aus der ferne seine netzhaut, ließen die hinterhofhärte vergessen.

ihm wurde kalt, als die wogende nackte mit energischem griff den schwarzen vorhang zuzog.

gelbe teilchen

Veröffentlicht in leben mit Tags , , am 24. August 2009 von marronnier

heute morgen die ersten gelben blätter fliegen gesehen. ein heftiger wind blies ganze blattwolken von den ästen. komisches gefühl: verfallsstimmung mitten im august.

dabei hatte das gelbe treiben eine stimulierende wirkung: das helle blinken der aufgewirbelten blättchen erschien wie ein fröhlicher zerfall der jetzt schon dürren baumkronen.

atomisierung einer erscheinung, die nur das auge (wem?) als einheit vorgaukelt.

mit schwung das fahrrad durch die blätterdecke sausen lassen: ein besonderer spaß.

das verborgene stadtviertel

Veröffentlicht in architektur, leben mit Tags , , am 1. Juli 2009 von marronnier

marronnier hatte angst. die drei schlanken, durchtrainierten jagdhunde kreuzten nervös auf dem schmalen, schlammigen weg des kleinen wäldchens am flussufer hin und her. den weg nahm er jeden morgen auf dem weg zur arbeit. der hundebesitzer war bereits weit vorangegangen. mit seinem fahrrad vorbeizufahren hätte sich marronnier niemals getraut. er hatte in solchen situationen des öfteren einfach gewartet, bis die hunde außer sicht waren und war dann beherzt in den wald gefahren.

aber heute entschied er sich völlig anders. er nahm den anderen weg, um die städtische kläranlage herum. dort war er bisher noch nie gefahren. er durchquerte eine tiefe pfütze, die der starke gewitterregen der letzten nacht hinterlassen hatte. zum ersten mal sah er die kläranlage von vorne. hinter der kläranlage befand sich eine art bauhof. männer standen dort beim morgenbier. danach kam eine hinter einer dichten hecke verborgene kleingartenanlage. eine weißblaue fahne ragte aus einem der gärten in den hellblauen himmel.

er fuhr eine leicht gebogene straße entlang. vor seinen augen öffnete sich ein kleiner platz mit einem modernen kunstwerk an der seite. eine art gerollte bronzemuschel. marronnier staunte über die fähigkeit mancher moderner architekten, menschengemäßes zu schaffen. angenehme farben umwarben seine augen. er floss in die in umgebende architektur. die straße, auf der er fuhr, machte eher den eindruck eines fahrradweges denn einer straße. eine frau hängte wäsche auf ihrem balkon.

das wäre die perfekte niemandsbucht, dachte sich marronnier. er nahm sich vor, wiederzukommen.

lecture I

Veröffentlicht in leben, literatur, pop mit Tags , , am 17. April 2009 von marronnier

(10/4/2009) halte ihn, den kurzen augenblick der ewigkeit. könnte ihm jemand nachempfinden, nacherahnen, nacherfahren (wie auch immer er dies tun sollte: es wäre dem, der es versuchte, nicht möglich), was es heißt, am heutigen karfreitag zwischen 17:13 und 17:19 uhr handke gelesen zu haben, marroniers lieblingsbuch, die niemandsbucht, seite 78 bis 82, dazu rechenzentrum, vertikal, gehört zu haben – vorsichtshalber in endlosschleife. diese sechs minuten, autoloop, unendlich. er hatte sich gefühlt wie in einem kokon, dick eingewoben, abgeschlossen vom rest der welt, die außengeräusche hörte er gedämpft wie durch watte. vorher hatte marronnier den gartentisch aus dem keller hochgeschleppt. schwere, ineinander verkeilte holzbohlen. harte verstrebungen schnitten sich tief in seinen rücken. noch jetzt schmerzte das kreuz. mehrere schreibtage sind vergangen seit dem letzten schneefall.

raumstation/nachts/sandmann

Veröffentlicht in architektur, leben mit Tags , , , am 27. März 2009 von marronnier

invocation von orange crush

die letzten meter legte er im laufschritt zurück. der weg zu dem sich kolossartig auftürmenden gebäude glänzte vom nieselregen. schwarz hoben sich die konturen des baus nur schwach gegen den nachtschwarzen himmel ab. er beeilte sich, um nicht allzu nass zu werden. auf der gegenüberliegenden seite sah er die großflächigen, leuchtenden  scheiben, deren licht sich in der düsteren umgebung verlor. ein gestrandetes raumschiff, von der besatzung verlassen.

kurz bevor er den schirmenden gebäudeumlauf erreicht hatte, sah er etwas unheimliches. aus einem schwarzen fenster glühten zwei grüne augen. durchdringend leuchteten sie ihn an. das gesicht – er konnte es nur erahnen -  stellte er sich ausdruckslos vor wie das eines der sandleute. ihn schauderte. er rannte schnell um das gebäude herum. drückte die schwere eingangstüre in die angeln. innen gedämpftes licht. er grüßte die junge frau hinter der theke. sie gefiel ihm. blond, schlanke taille, geheimnisvoller gesichtsausdruck. sie lächelte ihn an.

er lief durch die dunkle eingangshalle, durchquerte einen hohen bücherdom, ging durch den langen verbindungsgang zum anderen gebäudeteil. dort schlich er sich eine enge wendeltreppe hoch, verfolgte den beleuchteten pfad durch die meterhohen regale. einzelne leser saßen noch an den tischen. beugten sich unter gebogene leselampen.

am ende des pfades war sein platz. er setzte sich an den arbeitstisch, sah sich den computerauszug an, merkte sich die signatur, stand auf, ging zielstrebig in die dunkle ritze zwischen zwei bedrohlich wirkenden regalen. wie von geisterhand dimmte das sensorgesteuerte licht auf. er nahm sich das buch und ging an seinen platz zurück.

marronnier versenkte sich in sein buch. etwas raschelte hinter den wänden. der sandmann schlich hinter der wand herum. er las bis kurz vor mitternacht, dann schloss die bibliothek. er schlich durch völlig menschenleere bücherlandschaften.

am ausgang saß ein wachmann. marronnier verabschiedete sich und trat ins freie. der regen hatte aufgehört. entspannt ging er zum auto. auf halbem weg drehte er sich um. die augen hatten ihre farbe geändert. zwei rote punkte verfolgten ihn nun durch die fensterscheibe. er verstaute seinen raumanzug im kofferraum, setzte sich ans steuer, beschleunigte und setzte auf die autobahn. rote rücklichter sausten wie mobile grabbeleuchtungen durch die nacht. er fühlte sich als teil eines kollektiven autoorganismus. ihm gefiel das elegante hin- und hergleiten zwischen den spuren.

pantone 430 U – alltag, deutschland 2009 ff.

Veröffentlicht in leben, literatur mit Tags , , am 1. Januar 2009 von marronnier

die scheibenwischer ruckeln über die schmutzige windschutzscheibe. es nieselt. die wenigen tropfen verschmieren den dreck in zwei halbrunden kreisen über das glas. langsam kriecht sein auto durch die vorstadtsiedlung. eine lange straße, gesäumt von einem aldi-markt, einer weltbildfiliale, einer art altmetallhändler, einem penny-markt. am ende der rewe und daneben die jet, an der marronnier immer tankt, meistens sonntag nacht, und sich über die pennerfrequenz an der kasse wundert – zwei dosen oettinger, drei dosen kaiserpils, einen fünferpack jägermeister …

ein hausmeister kehrt die reste vom silvesterfeuerwerk zusammen. ein riesiger, bunter haufen angekokelten papieres.

der besitzer des swingerclubs
karrt gerade unmengen alkoholika in seinen laden. in einer anzeige im kostenlosen anzeigenblättchen hatte marronier gelesen, diesen abend gäbe es dort eine „gb-party“, es würden noch herren gesucht. auf der anderen straßenseite schiebt eine alte frau einen übervollen einkaufswagen nach hause. sie bleibt alle paar schritte stehen. sieht sich um. ein lächeln zwischen unzähligen falten, unter dicken brillengläsern, ihr kopftuch weht im wind.

ein verrückter paketzusteller zieht mit affentempo auf die gegenfahrbahn und rast an marronnier vorbei. stumm schüttelt er den kopf, rollt auf die rote ampel zu, bremst, setzt den blinker rechts und zieht sein auto am grünen pfeil nach rechts.

er freut sich auf zuhause.

eine zeile von laub

Veröffentlicht in leben mit Tags , , am 1. Dezember 2008 von marronnier

… wie oft bin ich diesen weg gegangen zum letzten bus – was habe ich gesucht, was habe ich gefunden …

diese zeile von laub rührte marronnier immer wieder zu tränen: er konnte nicht genau erklären, woran sie ihn erinnerte. es war mehr ein gefühl. er sah sich dabei in der nächtlichen stadt an einer haltestelle stehen. enttäuscht über den verlauf eines weiteren abends. einsam. und in der sicheren gewissheit einfach weiterzumachen. was auch sonst.

platz im museum (die ideale stadt)

Veröffentlicht in architektur, leben mit Tags , , am 29. November 2008 von marronnier

kürzlich hatte marronnier einen termin im museum. recherche für einen artikel über einen architekten der moderne. das viertel, in dem das museum liegt, ein kompakter reißbrettentwurf der 20er-jahre. geschwungene straßen, kleine häuser, gepflegte vorgärtchen. und mittendrin in diesem viertel, im hause des architekten, das museum.

schon die begrüßung war besonders. er wurde gleich hereingebeten, durchschritt einen holzvertäfelten, länglichen raum, um schließlich in der küche einer sympathischen, rauchenden frau gegenüber zu sitzen. am herd köchelten kartoffeln.

er fühlte sich spontan an seine studentenzeit erinnert. das gespräch kam ihm wie ein riesenslalom vor. sie unterhielten sich über den architekten, seine bauten, seine zeit, die damals kursierenden ideen. dann schweifte das gespräch ab und behandelte die abstrusesten themen. er schwelgte in frei aneinandergereihten assoziationen.

später sahen sie sich die utopischen modelle des architekten an, der sich seine stadt y ohne (oder nur mit wenigen) autos gedacht hatte.

im büro ein großer schrank mit büchern. schön, im warmen meer der theorie zu schwimmen. ein platz für die ewigkeit.

mit ausblick auf die ideale stadt.