im labyrinth

schwitzend stellte er sein rad an die hauswand. das schwüle sommerwetter trieb ihm das wasser aus allen poren. er wollte in die bibliothek, ein paar literaturstellen für seine arbeit nachlesen. er trat in die kathedrale des wissens. angenehme kühle umfing ihn. seine augen mussten sich erst an die dunkelheit in dem riesengroßen vorraum mit den zettelkästen und internetterminals gewöhnen.

er wandelte durch die weitgehend leeren räume. er stieg eine enge wendeltreppe nach oben und stand plötzlich mitten zwischen eng befüllten bücherregalen. regal um regal passierte er, konzentriert auf der suche nach den beiden büchern, die er sich bereits zuhause aus dem bibliothekskatalog herausgesucht hatte. er nahm die beiden werke und setzte sich an einen freien platz im lesesaal.

verstohlen beobachtete er die wenigen anderen leser, die an diesem nachmittag den weg in die bibliothek gefunden hatten. tief über ihre bücher gebeugt, saßen sie meist unnatürlich verkrümmt an den tischen. eine junge frau lag lässig quer in ihrem stuhl.

die außenwelt sah durch die getönten scheiben wie ein duotone-foto aus. der ventilator surrte. die quersitzende frau sah zu ihm. lächelte. nur für einen winzigen moment. er wusste schon gleich nicht mehr, ob sie wirklich gelächelt hatte oder ob er es sich nur eingebildet hatte. ihm wurde trotz der äußeren kühle warm, starrte in sein buch. schielte ab und zu kurz hinüber. keine reaktion, kein blick.

er machte sich ein paar notizen und ließ sich für einen moment von seiner arbeit einnehmen.

wieder wagte er einen blick. da war sie weg. er blickte sich um. nirgendwo war sie zu entdecken. er schnappte sich ein blatt und tat so, als suche er ein buch in den regalen des lesesaals. durch die buchlücken linste er verstohlen in nachbargänge. kein faden, nichts. er warf in jede der senkrechten betonröhren, die die wendeltreppen bargen, einen blick. aber er sah sie nicht. sie war vollkommen verschwunden.

er packte seine sachen und schlich sich still und leise aus dem gebäude. draußen war es noch immer drückend-schwül. der fahrtwind auf dem fahrrad kühlte ihn etwas herunter. doch in seinem kopf war es heiß. er schlich sich durch sämtliche hirnwindungen, um klarheit in seine verwinkelten erinnerung zu bringen. gelächelt oder nicht?

er umkreiste ständig das bild, das er in seinem kopf zurückbehalten hatte und das irgendwo wieder sichtbar zu machen sein musste, aber das zentrum seines erinnerungswirrgartens blieb verborgen und unentdeckt.

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