POETA

mit dem fernrohr aufs leben schauen

mit dem fernrohr das leben beobachten

da sitzt er. an der rot-weiß-karierten kunststofftischdecke. sein bier halb ausgetrunken. schreibend. er weiß: seine gedanken werden niemanden interessieren. niemand wird sie lesen. keiner sie nachvollziehen wollen.

er hat sich zurückgezogen in das stille tal. einmal busverkehr am tag. täglich hin und her, am talende eine stunde pause, dann wieder zurück. schnell heraus aus dem immer dunkler werdenden tal, denken sich die fahrer.

mit dem bus ist er heute angekommen. er wird hier eine weile bleiben: sieben tage hat er sich gegeben. dann will er fertig sein mit seinem kleinen werk. den ersten nachmittag hat er schon recht erfolgreich verbracht. seit dem zeitpunkt, als er den bus verließ, war er entspannt und ruhte in sich. zentriert. von den wirtsleuten sah er wenig, seit er die üblichen ankunftsmodalitäten hinter sich gebracht hatte. ein kleines zimmer, schlicht, sauber, mit blick auf den gewaltigen steinbrocken, den hausberg, der im gleißenden sonnenlicht das gesamte tal überstrahlte. er hatte sich noch etwas vor das gasthaus gesetzt und die sinkende sonne beobachtet, und gleich hatte er zu schreiben begonnen.

jetzt sitzt er in der wirtsstube neben seinem bier und schreibt noch. er schreibt die geschichte von einem, der sein leben wie er im niemandsland verbringt. der ebenfalls hinter einer unüberwindlichen grenze lebt und seine mitmenschen manchmal durch ein fernrohr, dann wieder mit dem mikroskop betrachtet.

hier ist er alleine. kein mensch um ihn. morgen wird er wandern. einsam durch eine urzeitliche landschaft. immer höher. er wird freier atmen, sein werk vollenden. den dohlen bei ihrem eleganten flugwerk zusehen. von böe zu böe. immer höher sich schraubend.

er wird glücklich sein.

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