raumstation/nachts/sandmann

invocation von orange crush

die letzten meter legte er im laufschritt zurück. der weg zu dem sich kolossartig auftürmenden gebäude glänzte vom nieselregen. schwarz hoben sich die konturen des baus nur schwach gegen den nachtschwarzen himmel ab. er beeilte sich, um nicht allzu nass zu werden. auf der gegenüberliegenden seite sah er die großflächigen, leuchtenden  scheiben, deren licht sich in der düsteren umgebung verlor. ein gestrandetes raumschiff, von der besatzung verlassen.

kurz bevor er den schirmenden gebäudeumlauf erreicht hatte, sah er etwas unheimliches. aus einem schwarzen fenster glühten zwei grüne augen. durchdringend leuchteten sie ihn an. das gesicht – er konnte es nur erahnen –  stellte er sich ausdruckslos vor wie das eines der sandleute. ihn schauderte. er rannte schnell um das gebäude herum. drückte die schwere eingangstüre in die angeln. innen gedämpftes licht. er grüßte die junge frau hinter der theke. sie gefiel ihm. blond, schlanke taille, geheimnisvoller gesichtsausdruck. sie lächelte ihn an.

er lief durch die dunkle eingangshalle, durchquerte einen hohen bücherdom, ging durch den langen verbindungsgang zum anderen gebäudeteil. dort schlich er sich eine enge wendeltreppe hoch, verfolgte den beleuchteten pfad durch die meterhohen regale. einzelne leser saßen noch an den tischen. beugten sich unter gebogene leselampen.

am ende des pfades war sein platz. er setzte sich an den arbeitstisch, sah sich den computerauszug an, merkte sich die signatur, stand auf, ging zielstrebig in die dunkle ritze zwischen zwei bedrohlich wirkenden regalen. wie von geisterhand dimmte das sensorgesteuerte licht auf. er nahm sich das buch und ging an seinen platz zurück.

marronnier versenkte sich in sein buch. etwas raschelte hinter den wänden. der sandmann schlich hinter der wand herum. er las bis kurz vor mitternacht, dann schloss die bibliothek. er schlich durch völlig menschenleere bücherlandschaften.

am ausgang saß ein wachmann. marronnier verabschiedete sich und trat ins freie. der regen hatte aufgehört. entspannt ging er zum auto. auf halbem weg drehte er sich um. die augen hatten ihre farbe geändert. zwei rote punkte verfolgten ihn nun durch die fensterscheibe. er verstaute seinen raumanzug im kofferraum, setzte sich ans steuer, beschleunigte und setzte auf die autobahn. rote rücklichter sausten wie mobile grabbeleuchtungen durch die nacht. er fühlte sich als teil eines kollektiven autoorganismus. ihm gefiel das elegante hin- und hergleiten zwischen den spuren.

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