charles torbett: the berlin vendetta (1984)

berlin – brennpunktstadt im kalten krieg. torbett zoomt in den wedding: elisabeth von welte bekommt besuch von zwei herren. hornbrillen, graue anzüge, aktenkoffer mit zahlenschloss, leicht sächsischer akzent. ihre botschaft ist eindeutig: in 24 stunden soll elisabeth einen mikrofilm aus dem tresor ihres vaters entwenden und den beiden übergeben. hermann von welte, elisabeths vater, ist gesandtschaftsrat bei der ständigen vertretung der bundesrepublik deutschland in berlin ost. im tresor seiner privatwohnung im berliner westen lagern jede menge streng geheimer unterlagen. der einsatz der agenten: das leben von elisabeths italienischer freundin angélica di giorda, ebenfalls diplomatentochter und bereits vor längerer zeit einmal die beste freundin elisabeths gewesen. die bilder, die die stasi-agenten elisabeth zeigen, sind eindeutig. angélica wurde entführt und gefoltert. die drohung: liefert elisabeth den film nicht innerhalb von 24 stunden, ist angélica tot.

elisabeth setzt alles daran, den film zu bekommen, doch es gelingt ihr nicht. ihr vater taucht auf einmal hinter ihr auf, als sie mit zitternder hand den code in das schloss des wandtresors tippt. hermann von welte schaltet die polizei ein, die beiden spione werden verhaftet. das schicksal angélicas ist ungewiss. es gibt kein lebenszeichen von ihr. elisabeth ist am boden zerstört. zusätzlich fühlt sie sich verfolgt. südländisch aussehende männer beobachten sie, tief hinter großformatigen zeitungsseiten versteckt. ihr telefon knackt verdächtig. in ihrer wohnung werden in ihrer abwesenheit gegenstände verstellt. die bremsen ihres autos versagen, beinahe kommt sie ums leben. mit ihrem vater kann sie nicht mehr reden. er schweigt verbittert.

da erhält sie eines tages einen brief. sie erkennt die handschrift. es ist die von angélica. sie bittet elisabeth um ein treffen. in zwei tagen soll sie in venedig sein. und sie soll den mikrofilm mitbringen. elisabeth setzt sich in den zug. sie lernt einen mysteriösen mann kennen. eine kette von zufällen führt die beiden immer wieder zusammen. wer ist der fremde? sind die ständigen begegnungen wirklich zufall? schon sitzt elisabeth im vaporetto und sucht den palazzo venier dei leoni auf, wo sie sich mit angelica treffen wird. und es fällt ihr wie schuppen von den augen. die vendetta beginnt.

charles torbett hat einen kühl kalkulierten agententhriller hingelegt. mit der archaischen dramatik eines puzo verbindet er traditionelle mafia-motive mit einer typischen kalter-kriegs-atmosphäre. im verlauf des buches dreht sich die spirale der gewalt immer schneller. am schluss schreibt sich torbett in einen wahren blutrausch, der an carlottos mafia-gemetzel erinnert.

das buch scheint kaum jemand gelesen zu haben, ich selbst habe es in einem ramschkarton im antiquariat meines freundes entdeckt, aus irgendeinem nachlass eines amerikanischen offiziers, der in unserem kleinen städtchen stationiert war und verstarb. über den autor weiß man nicht viel mehr, als was auf dem vergriffenen papierumschlag steht: „charles torbett lives as an adminstrative officer in austin, texas. few people have seen him in real life. he hides from the public.“ eine deutsche übersetzung scheint auch niemand gewagt zu haben. zumindest kenne ich keine. – vielleicht mache ich mich mal drüber. es könnte sich lohnen.

charles torbett: the berlin vendetta (xenos books no. 120610, new york, 1984, 640 p.)

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