Keine Pommes ohne Fleisch. »Cesars Grill« von Darío Aguirre

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Immer seltenerer gibt es Filme, die etwas zu sagen haben. Der neue Film von Darío Aguirre »Cesars Grill« ist so einer. Dabei gibt es sich völlig unprätentiös.

Und stellt doch ein Kleinod der aktuellen Filmproduktion dar. Er zeigt eine Vater-Sohn-Beziehung in Nahaufnahme. Es geht aber um viel mehr: Familie, Heimat, die Mentalitäten zweier Kontinente und, wie wichtig das miteinander Reden ist.

Aguirre ist in Berlin zu Hause, hat dort studiert und arbeitet dort. Seiner Heimat Ecuador hat er längst den Rücken gekehrt, räumlich wie mental. Da erreicht ihn via Skype ein Hilferuf aus der Heimat. Das Grillrestaurant seines Vaters steht auf wackligen Beinen, Vegetarier Darío soll dabei helfen, es wieder in die Gewinnzone zu bringen. Er reist in seine Heimat. Doch bald schon merkt er, wie sehr in der Mikro-Beziehung zwischen Vater und Sohn die Makro-Ebene präsent ist: Hier prallen zwei Welten aufeinander. Die Schulden des Vaters sind eher den sozialen Verpflichtungen gegenüber seiner Community geschuldet als seinem wirtschaftlich fragwürdigem Gebaren. Wirtschaftliches Denken steht zu diesem gelebten Gemeinschaftssinn in diametralem Gegensatz.

Der Erfolg der gemeinsamen Bemühungen von Vater und Sohn ist wacklig, zu unterschiedlich ist die Mentalität der beiden. Doch ein wichtiges Ergebnis hat die gemeinsame Arbeit an der Verbesserung von Angebot, Service und Organisation im Grillrestaurant: Die beiden Männer kommen sich näher. Nie Ausgesprochenes wird formuliert, verschüttete Gefühle kommen zu Tage, Orte der Vergangenheit erden aufgesucht. Während der Dreharbeiten stirbt Aguirres Mutter. Die Beziehung der Eltern war durch die wirtschaftliche Schieflage des Restaurants und die Unbelehrbarkeit des Vaters gefährdet. Der Tod überdeckt all diese Bemühungen, Trauer- und Aufbauarbeit gehen Hand in Hand, der Vater gibt sich Mühe. Doch für wen? Für sein Lokal? Für seine verstorbene Frau? Oder vielleicht doch für seinen Sohn?

Darío Aguirre ist ein mutiger Regisseur. Er gibt viel Persönliches von sich preis. Sein Film »Cesars Grill« ist ein stimmig und rücksichtsvoll inszenierter Dokumentarfilm, der die Familienmitglieder Aguirres in Nahaufnahme zeigt, ohne voyeuristisch zu sein. Es geht um viele Themen, die auch in fiktionalen Erzeugnissen eine Rolle spielen: eine interkulturelle Begegnung, das ewige Missverstehen von Vater und Sohn, die Liebe zur Mutter, die alles versteht und immer die richtigen, klaren Worte findet. Es ist aber auch ein Film der prägnanten Botschaften: »Nur Pommes« gibt es bei Daríos Vater nicht. Schließlich betreibt er ja ein Grillrestaurant. Und da muss einfach Fleisch dabei sein.

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